Die Besonderheiten einer E-MTB-Tour

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Erfahre im 3. Teil der Serie zur Tourenplanung alles Wissenswerte über die Besonderheiten einer längeren Tour mit einem E-MTB. Christoph Malin klärt auf!

Die perfekte Tourenplanung Teil 3

Die Besonderheiten einer E-Mountainbike-Tour

E-MTB-Pionier Christoph Malin hat bereits unzählige Kilometer auf seinem Bike zurückgelegt. Er selbst sagt, dass er pro Bike-Saison etwa 250.000 Höhenmeter bewältigt – ein echter Experte also! In Teil 3 unserer Serie zur Tourenplanung gibt er Tipps, wie man speziell mit dem E-MTB auf Tour geht und was man dabei alles beachten sollte …

Fragen und Antworten rund um den Akku

  • Welche Temperaturen erwarten dich auf Tour? 
    Warum das wichtig ist? Akkus mögen weder niedrige noch zu hohe Temperaturen. Bei sommerlicher Hitze verringert das Batterie-Management-System automatisch die Stromentnahme am Akku. Das bedeutet zugleich, dass die Leistung des Motors reduziert wird. Bei tiefen Temperaturen sollte der Akku zunächst im höchsten Unterstützungsmodus betrieben werden, damit er warm bleibt. Tipp: Halte den zweiten Akku im Rucksack mit Wärmepads warm!
     
  • Was tun, wenn der Akku den Geist aufgibt?
    Ist der Akku tatsächlich einmal leer, schalte in den kleinsten und leichtesten Gang und trete langsam in die Pedale! Auf Steilstücken oder Rampen ist Schieben angesagt. 
     
  • Wie lade ich richtig? 
    Wenn du unterwegs Lademöglichkeiten hast (z. B. Café, Gasthaus oder Hütte), solltest du die Ladezeiten für das Nachladen im Blick haben: Durchschnittlich 2,5 bis 3 Stunden benötigt der Akku bis auf 80 Prozent. Die restlichen 20 Prozent sind meist in einer Stunde geladen. Beachte außerdem das Akku-Lade-Management: Sehr warme Akkus nicht gleich aufladen, sondern zunächst abkühlen lassen! Auch gilt: Nur mit vollen Akkus auf Tour gehen, und vor jeder Etappe vollständig laden!
     
  • Ist ein zweiter Akku nötig?
    Ein zweiter Akku ist auf längeren Touren in jedem Fall sinnvoll. Viele Rucksäcke haben dafür sogar ein eigenes Akku-Fach und einen Rückenprotektor, z.B. von EVOC der FR Trail E-Ride 20L.

Akku- und motorschonende Nutzung

Eine hohe Trittfrequenz von 80 bis 90 Umdrehungen pro Minute verbessert den Wirkungsgrad des Motors und sorgt für einen geringeren Stromverbrauch. Beim Bergauffahren heißt das: Eine kleine Übersetzung wählen und mehr kurbeln! 

Generell gilt für einen effizienten Motorbetrieb auf Tour: Drehzahl beachten, Hitze vermeiden, Übersetzung gut nutzen, Reifenluftdruck prüfen, und die Unterstützungsstufe je nach Gelände anpassen!

Die gewählte Unterstützungsstufe entscheidet neben der Eigenleistung im Wesentlichen über den Stromverbrauch. Die höchste Unterstützungsstufe wählt man daher am besten nur bei extrem steilen Auffahrten und schwierigen Uphill-Trails. 

Der Akku hält in der niedrigsten Unterstützungsstufe meist bis zu drei Mal länger als im stärksten Modus. Sobald es bergab geht, schalte die Unterstützung auf den schwächsten Modus bzw. komplett ab.

Tipps zur Routenwahl mit einem E-MTB

  • Mit dem E-Mountainbike sind – im Vergleich mit einem Bio-Bike – größere Distanzen und mehr Höhenmeter in derselben Zeit möglich. Noch sorgfältigere Routenplanung und Wetterbeobachtung sind daher notwendig.
  • Bei der Routenwahl sollte man auf die Reichweiten- und Höhenleistung des E-MTBs achten, und den Akku nicht leerfahren. Denn das Fahren ohne Motorunterstützung mit dem E-MTB erfordert einiges an Kraft und Ausdauer.
  • Wichtig ist es auch, die Schwierigkeiten bei einer Abfahrt richtig einzuschätzen. Durch die vermehrte Haltearbeit am E-MTB ist eine Abfahrt durchaus anstrengender als mit dem Bio-Bike. Auch wenn das E-Mountainbike durch das höhere Gewicht satter auf dem Trail liegt. Die Tour sollte daher stets der Eigenleistung und dem Können angepasst sein.
  • Ausreichend Proviant, Getränke sowie Sonnenschutz mitnehmen!
  • Die richtige Ausrüstung ist essenziell: Rucksack, Erste-Hilfe-Kit, Bekleidung, kleinere Ersatzteile wie Schaltauge, Schlauch, Ersatzbremsbeläge, Dämpfer- und Reifenpumpe mitnehmen!
  • Bevor man eine Mehrtagestour mit dem E-MTB plant, sollte man sich auf Tagestouren langsam an sie herantasten. So kannst du besser abschätzen, wie groß die Reichhöhe ist, die man mit einer vollen Akku-Ladung fahren kann.

Reichweite & Höhe

Die Höhenmeterleistung eines E-Mountainbikes wird durch Körpergewicht des Fahrers, Eigenleistung, gewählte Motorunterstützungsstufe, Fahrradgewicht und Akkukapazität bestimmt.

Es gilt die Faustregel: 10 Kilogramm Fahrer-Gewichtsunterschied = 100 Höhenmeter. Ein Fahrer, der 60 Kilogramm wiegt, wird bis zu 400 Höhenmeter mehr fahren als sein Freund mit 100 Kilogramm, mit gleichem Motor und derselben Unterstützungsstufe.

Die Eigenleistung, die du einbringst, ist ebenfalls wichtig: Bist du eher untrainiert, wenig trainiert, moderat trainiert, gut oder sehr gut trainiert? Auch das bestimmt die Höhenmeterleistung deines E-MTBs.
 

Zur Reisegeschwindigkeit in der Ebene

Je nach Motor sollte bei Flach- und Verbindungsetappen die verminderte Geschwindigkeit von 25 km/h beachtet werden. Diese reduziert die Kilometer-Leistung im Vergleich zum nicht-motorisierten Bike teilweise deutlich.
 

E-Bike tragen!?

Prinzipiell solltest du Schiebe- und Tragestrecken nach Möglichkeit vermeiden. Zwar gibt es neueste Methoden, die beim Schieben eines E-MTBs unterstützen (sogenannte Schiebehilfen ), doch auf Dauer kann es mühsam werden. Wenn es sich dennoch nicht vermeiden lässt: Langsames Tempo gehen, und genügend Pausen einlegen!

Mit diesen vielen Tipps und Tricks  zur Tourenplanung (Teil 1 & Teil 2) von Christoph Malin bist du bestens gerüstet für den nächsten Wochenendtrip mit deinem E-Mountainbike.

Plane deine E-MTB-Touren sorgfältig und gut, und du wirst viel Spaß haben. Genieße neben den Trails auch die Landschaft! Nimm dir Zeit für Pausen! Entschleunigung ist hier das Zauberwort. So wird deine Tour zu einem tollen Erlebnis.
-Christoph Malin-

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