Die perfekte Tourenplanung im Detail

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Wie wählt man eine passende Tour aus? Und welche Hilfsmittel gibt’s zur Orientierung? Erfahre mehr in Teil 2 der dreiteiligen Serie zur perfekten Tourenplanung!

Die perfekte Tourenplanung Teil 2

Alle Planungsschritte im Detail

In Teil 1 „Die vier Phasen der Tourenplanung “ hat Christoph Malin, MTB-Experte der ersten Stunde, bereits über die wesentlichen Eckpfeiler der Tourenplanung für einen Tages- oder Mehrtagestrip gesprochen. Nun geht’s ins Detail: Wie wählt man eine geeignete Bike-Tour aus? Wie taktet man die Zeit dafür richtig ein? Und welche Hilfsmittel gibt es zur Orientierung? Diese und viele weitere Fragen werden in Teil 2 zur „perfekten Tourenplanung“ beantwortet.

Die Auswahl der passenden Tour

Der erste Schritt der Planung gehört der Auswahl des Gebietes, der Höhenlage sowie der Tour selbst. Inspirationsquellen dafür gibt’s viele: Zahlreiche Gebietsführer oder Online-Tourenportale wie Outdooractive, Komoot oder Alpenvereinaktiv stehen dir dabei zur Verfügung. 

Doch Achtung! Während in Büchern der Gesamtanspruch einer E-Mountainbike-Tour bezüglich Technik und Kondition meist sorgfältig vom Autor geprüft ist, sind Toureninformationen aus Online-Portalen eher mit Vorsicht zu genießen. Denn die Beschreibungen beruhen meist auf subjektiven Beurteilungen. Was manch einer als leicht und fahrbar einstuft, kann für jemand anderen zur großen Herausforderung werden. Daher immer die Angaben betreffend Zeit, Entfernung und Dauer genau unter die Lupe nehmen!

Was außerdem dazugehört? Sich unbedingt mit der Karte und der Region auseinanderzusetzen! Die Wanderkarte und ein gekonnter Umgang damit sind Grundvoraussetzungen für jede Aktivität in den Bergen und Hauptbestandteile einer guten Tourenplanung mit dem Rad.

Der zeitliche Aspekt

Wenn du nicht gerade nördlich des Polarkreises wohnst und aufgrund der Mitternachtssonne 24 Stunden zur Verfügung hast, begrenzt das Tageslicht die endlose Ausdehnung einer Tour. Besonders im Herbst und Winter solltest du die verkürzte Tageslichtphase bedenken. Wie beim Wandern oder Skitourengehen gibt es Standardmaßnahmen zur Berechnung des zeitlichen Aufwandes. Dabei bedeutsam sind die Daten zu Strecke und Höhenmetern. Die Aufstiegsmeter werden beim Biken zusätzlich noch in fahrend und schiebend unterteilt.

Folgende Durchschnittswerte zur Berechnung haben sich beim E-MTB etabliert:

Fahrstrecke pro Stunde: 20 km
Höhenmeter pro Stunde bergauf (fahrend): 1.000 Hm

Ein Beispiel: 
Bei einer geplanten Tour von 50 Kilometern und 1.200 Höhenmetern ohne Schiebestrecke bemisst sich die Rechnung aus folgenden Teilabschnitten, wobei von den kleineren Zeitwerten jeweils nur die Hälfte addiert wird.

Streckenlänge 50 km = 2h 30min
Höhenunterschied fahrend 1.200 Hm = 1h 12min (davon die Hälfte) = 36min

Gesamtzeit: 2h 30min + 36min = Rund 3h

Bei einer Tour in sehr flachem Gelände kann die Komponente Höhenunterschied ignoriert werden. Die benötigte Zeit für die Abfahrt variiert je nach Schwierigkeit der Wege. Ein guter Startwert ist ein Drittel der Aufstiegszeit. Zusätzlich kommt noch der zeitliche Aufwand für Orientierung, kleine Pausen, An- und Ausziehen sowie eine längere Rast hinzu. 

Generell gilt: Plane ausreichend Puffer für Pannen, Erlebnis- und Foto-Stopps ein! Bei größeren Gruppen oder Inhomogenität der Teilnehmergruppe ist es ratsam, die Zeiten etwas großzügiger zu kalkulieren. Besser zu früh am Zielort sein, als erst bei Dunkelheit eintreffen!

Die wohlverdiente Pause

Wie bereits zuvor erwähnt, empfiehlt es sich, auf der Bike-Route immer wieder kleinere Pausen einzulegen. Entweder um eine Kleinigkeit zu essen, oder um den Flüssigkeitshaushalt aufzufüllen. Dadurch verhindert man einen frühzeitigen konditionellen Einbruch, und die physische und psychische Leistungsfähigkeit bleiben erhalten.

Tipp: Idealerweise verbindest du die Pausen mit Panorama- und Foto-Stopps. Da hast du dann gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen!

Alternativen einplanen

Bereits in Phase 1, der Planung zu Hause , solltest du dir Gedanken über mögliche Alternativ-Routen und Abbruchszenarien machen. Denn speziell im alpinen Raum ist es oft nur an wenigen Stellen möglich, Änderungen der Planung vorzunehmen. Diese Punkte, die sogenannten Checkpoints, können im Vorhinein durch Studium der Karte oder aufgrund von guter Gebietskenntnis definiert werden.

Ein Beispiel: Du weißt, dass du vor der Überquerung des Alpenhauptkammes bis spätestens 11 Uhr an der Schutzhütte ankommen musst. Anders wäre das Tourenziel mit dem Rad nicht mehr erreichbar. Wenn du erst um 14 Uhr dort eintriffst, hast du nur zwei Alternativen zur Wahl: zusätzliche Übernachtung auf der Schutzhütte oder Abbruch der Tour. 

Orientierung beim Biken

Mountainbiker haben den Vorteil, dass sie sich meist auf Steigen, Wegen oder Straßen bewegen. Heißt, die Touren sind einem großen Netz eingebunden und in Karten verzeichnet. Zu komplexen Orientierungsaufgaben sollte es in der Regel nicht kommen. Dennoch ist eine gewisse Fertigkeit nötig, um mit Hilfe einer Karte oder mit anderen Hilfsmitteln ohne Umwege von A nach B zu gelangen. Profi-Tipp: Stelle dir in der Vorbereitung ein kleines Roadbook zusammen! Nutze zudem Pausen, um dir Abzweigungen einzuprägen! Beide Methoden dienen dazu, schnell und stressfrei voranzukommen.

Die Karte als Orientierungsmittel

Die gute alte Papierkarte ist und bleibt ein sensationell praktisches Hilfsmittel in Orientierungsfragen. Da Detailgenauigkeit bei Radtouren weniger Bedeutung hat, kann man auch Karten im Maßstab 1:50.000 oder 1:75.000 gut verwenden.

Topografische Karten zum Auseinanderfalten geben einen guten Überblick über einen weiten Streckenabschnitt. Dies ist ein großer Vorteil gegenüber den kleinen Displays von Smartphones. Außerdem liefern sie stromfrei allerlei Informationen, die zur Tourenführung hilfreich und wichtig sind (Absturzgefahr, öffentliche Straßen usw.).  Gut zu wissen: Eine topografische Karte ist immer nach Norden ausgerichtet. Heißt, der obere Kartenrand zeigt in nördliche Richtung. 

Sich zurechtfinden mittels Höhenmesser

In Kombination mit der Karte, ist der Höhenmesser das wichtigste technische Hilfsmittel. Er zeigt, was man bereits geleistet hat und wie viele Höhen- oder Tiefenmeter noch vor einem liegen. Übrigens: Damit der Höhenmesser möglichst genaue Messungen vornehmen kann, sollte man ihn immer wieder neu justieren. Führe das am besten an bekannten Punkten aus, die eine Höhenangabe haben oder die man eindeutig aus einer Karte heraus bestimmen kann!

Der Fahrradcomputer

Du planst einen längeren Trip über die Alpen und hast sogar ein detailliertes Roadbook dazu angelegt? Dann wirst du sicher die Vorteile des eingebauten Fahrradcomputers beim E-MTB zu schätzen wissen. Der kleine Computer liefert nämlich sehr präzise Information über die zurückgelegte Wegstrecke. Die integrierten GPS-Geräte sind meist sehr genau und übernehmen immer häufiger den Dienst der kleinen Tachos.

Smartphone und GPS

Apps für Smartphones wie von Outdooractive, Komoot und Alpenvereinaktiv werden bei Radsportlern immer beliebter. Kein Wunder, sind sie doch praktische Helferlein zur Navigation! 

Doch aufgepasst! Oft wird man von den blinkenden und leuchtenden Displays abgelenkt. Gerade auf vielbefahrenen Straßen oder schweren Trails kann Unachtsamkeit zu Unfällen führen. Auch bergen die Aufbauten am Lenker an sich bereits Verletzungsgefahr. Tipp: Montage am Oberrohr, direkt hinter dem Steuerrohr. 

Nicht vergessen: Ein plötzlicher Defekt oder ein leerer Akku – und schon steht man orientierungslos am Wegesrand. Damit das nicht passiert, solltest du immer auch eine Karte in Papierform dabeihaben. Und bestenfalls ein kleines flexibles Solarpanel (z. B. von SunnyBAG),  das am Rucksack befestigt wird. Es hilft im Fall eines leeren Akkus.

Zusammengefasst – die Schlüsselfragen der Tourenplanung

Mensch

  • Wie ist das Risikoverhalten (das eigene/der Gruppe)?
  • Wie groß ist die Gruppe?
  • Wie ist das Leistungsvermögen (konditionell/technisch)?
  • Wie sind die Erwartungen?
  • Gibt es Probleme mit Höhenangst etc.?

Umwelt

  • Gibt es alpine Gefahren (Wetter, Schnee, Sicht, Steinschlag, etc.)?
  • Wie ist die technische Schwierigkeit der Strecke?
  • Wie erfolgt die An-/Abreise?
  • Gibt es für die Route auch Alternativen?
  • Wo befinden sich Einkehrmöglichkeiten und Unterkünfte?
  • Gibt es Sperren am Weg?
  • Sind öffentliche Verkehrsmittel in der Region vorhanden?
  • Wo befinden sich evtl. Bike-Shops vor Ort?

Ausrüstung

  • Wie gut ist mein Bike (Werkzeug, Ersatzteile)?
  • Ist der Akku am E-MTB voll aufgeladen?
  • Wie schaut es mit der Bekleidung und dem Wetterschutz aus?
  • Welchen Rucksack nehme ich mit?
  • Habe ich eine Erste-Hilfe-Ausrüstung?
  • Welche Verpflegung benötige ich auf der Route?
  • Welche Karten bzw. Reiseführer sind sinnvoll?
  • Habe ich das Handy schon eingepackt?

Wenn der Ernstfall eintritt …

Merke dir diese wichtige Notrufnummer: 112! Das ist der EURO-Notruf aus allen Netzen.
Auch ist es wichtig, die richtige Rettungskette einzuhalten und folgende Sofortmaßnahmen durchzuführen: 

  • Absichern der Unfallstelle
  • Retten aus der Gefahrenzone
  • Notruf absetzen
  • Herz-Lungen-Wiederbelebung, Blutstillung, Schockbekämpfung, stabile Seitenlage
  • Der richtige Notruf erfolgt mit den 5 W's: Wer? Wo? Was? Wie viele? Und: Warten – nicht auflegen, ehe die Notrufzentrale das Gespräch beendet hat!

Wer all diese Dinge vor und während der Tour beachtet, ist bestens gerüstet! In Teil 3 unserer Serie erfährst du, welche Besonderheiten es bei der Tour mit einem E-Mountainbike zu berücksichtigen gilt. Sei gespannt!

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